Editorial
Teilhabe sichern und gestalten – Verbandsaufgabe?!
Liebe Leserinnen und Leser,
Teilhabe ist keine Zusatzleistung, sondern ein Grundrecht – und ihre Umsetzung eine stetige Herausforderung. Diese offene Ausgabe von blind-sehbehindert widmet sich einer zentralen Frage: Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen wie Berufsverbände und Selbstvertretungen dabei, Teilhabe nicht nur abzusichern, sondern aktiv zu gestalten?
Den Auftakt machen drei inhaltliche Beiträge: Thomas Loscher und Tobias Bernasconi beleuchten, wie wichtig es ist, den Zugang zu Zahlen und zum Zahlenraum für alle Lernenden von Beginn an sicherzustellen – ein wesentlicher Beitrag zur Orientierung und Selbstbestimmung. Am anderen Ende der Altersspanne setzt das Projekt „Sinnesbeeinträchtigungen in der Pflege im sozialen Nahraum“ an. Es nimmt die Versorgungssituation älterer Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung in ihrem Wohnumfeld gezielt in den Blick.
Der Praxisteil widmet sich dem behinderungsübergreifenden, barrierefreien Bauen in der Kinder- und Jugendhilfe. Der Beitrag gibt spannende Einblicke in konkrete Lösungsansätze – und benennt zugleich notwendige Kompromisse.
Der zweite Teil des Heftes steht ganz im Zeichen des Verbands der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik e. V. (VBS). Den Einstieg bildet der Jahresbericht des VBS-Vorstands. Anne Reichmann, Patrick Temmesfeld, Sven Degenhart und Michael Weis geben einen Überblick über zentrale Aktivitäten im Jahr 2024. Im Fokus stehen die Vorbereitungen für den 38. VBS-Kongress, der 2028 in Würzburg stattfinden wird, sowie vielfältige Entwicklungen in den Bereichen Mitgliederverwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Geschäftsstelle. Inhaltlich berichtet der Vorstand über das fachpolitische Engagement des Verbands, die Weiterentwicklung der Qualifizierung von Rehafachkräften sowie über die Mitwirkung in bundesweiten Gremien und Netzwerken – stets mit dem Ziel, die Idee der Inklusion weiter voranzutreiben und in die Praxis zu überführen. Wie diese Praxis konkret aussieht, zeigen die zahlreichen Berichte von Landestagen und Arbeitsgemeinschaften des VBS, die im Anschluss an den Jahresbericht folgen.
Leider müssen wir in dieser Ausgabe auch zwei Abschiede vermelden: Dr. Klaus Schreck, engagierter Low-Vision-Pionier und Willi Düe, langjähriger Studienleiter am Landesförderzentrum Sehen Schleswig, sind zu Beginn des Jahres verstorben. Zwei Nachrufe würdigen ihr Wirken und Engagement.
Abschließend finden Sie aktuelle Pressemitteilungen zu MEDIBUS und zur Bibliothek der Dinge sowie einen Beitrag von Prof. Chen, über die Möglichkeiten, mithilfe einer KI-gestützten App andere Anwendungen barrierefrei (weiter-)zuentwickeln.
Viel Freude und zahlreiche Anregungen beim Lesen!
Sabine Lauber-Pohle für die Redaktion
