Erwin Denninghaus

Zum Gedenken an Dr. Klaus Schreck – Ein Low-Vision-Pionier ist von uns gegangen

Erwin Dennighaus

Das schwarz-weiße Foto zeigt ein Porträt von Dr. Klaus Schreck. Er trägt Anzug, Hemd und Sonnenhut sowie seine „Schreck-Brille“. Aufmerksam schaut er in die Kamera.

Abbildung 1: Dr. Klaus Schreck – Sein Markenzeichen, die „Schreck-Brille“, stammt von der Firma Nylor aus Frankreich und wurde im vergangenen Jahr neu aufgelegt. (Foto: Britta Hoppe)

Am 5. Februar 2025 ist der Ingenieur und Low-Vision-Pionier Dr. Klaus Schreck im Alter von 84 Jahren verstorben.

Geboren wurde er am 28. Juni 1940 in Berlin-Lichtenrade, hat in Berlin sein Abitur abgelegt und auch sein Physikstudium absolviert sowie anschließend zu einem Thema aus der Strahlungsphysik promoviert. Zunächst war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin tätig, bevor er als Studienrat an der Staatl. Fachschule für Optik und Fototechnik (SFOF) in Berlin angestellt wurde.

Dr. Klaus Schreck verfügte über profunde Kenntnisse in verschiedenen Bereichen der Physik, wobei die Optik ursprünglich gar nicht sein Thema war. In dieses Fach hat er sich erst mit seinem Eintritt in die SFOF, die dann Teil der Technischen Fachhochschule Berlin (TFH), heute Beuth Hochschule für Technik Berlin (BHT) wurde, eingearbeitet. Dort ist er bis zum Ende des Sommersemesters 2005 tätig gewesen. Mit der Integration der Augenoptik der SFOF in die TFH Berlin ist Dr. Klaus Schreck zum Professor berufen worden.

Das gesellschaftliche Engagement von Dr. Klaus Schreck lässt sich bis in die 1960er-Jahre zurückverfolgen: Am 4. Februar 1969 war er einer von 12 Studierenden, die an der TU Berlin ein Mitbestimmungsgremium für studentische Beschäftigte, den PRSB (Personalrat für studentische Beschäftigte), gründeten.

Als „Low-Vision-Pionier“ darf man Dr. Klaus Schreck aus unterschiedlichen Gründen bezeichnen: Vor allem ist hervorzuheben, dass er – unterstützt durch interessierte Studierende – als Erster in Deutschland das Fach „Vergrößernde Sehhilfen“ in der Ausbildung von Augenoptik-Studierenden etabliert und über viele Jahre mit hohem Engagement gelehrt hat. Von ehemaligen Studierenden wird berichtet, dass er ein guter Pädagoge gewesen sei und die komplexesten Themen gut verständlich vermitteln konnte. Darüber hinaus pflegte er einen sehr menschlichen und verständnisvollen Umgang mit seinen Studierenden.

Es ist ihm aber auch gelungen, die erforderlichen Mittel zu akquirieren, um eine große Bandbreite an optisch und elektronisch vergrößernden Sehhilfen zu beschaffen, sodass seine Studierenden sich nicht nur theoretisch bilden, sondern ihren Studiengegenstand auch „begreifen“ konnten. Fachlich gab es zu seiner aktiven Zeit keine andere Ausbildungsstätte in Deutschland, die eine derartige Ausstattung aufweisen konnte.

Dr. Klaus Schreck war die interdisziplinäre Zusammenarbeit immer sehr wichtig. So war er Gründungsmitglied des „Arbeitskreises vergrößernde Sehhilfen Berlin“. Das war in Deutschland seit den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts einer der Vorreiter für die Fortbildung von Augenoptikern und Augenoptikerinnen sowie für den Aufbau von Netzwerken mit Fachkräften aus Pädagogik und Medizin. Dr. Klaus Schreck hat in diesen Arbeitskreis sein umfangreiches Wissen eingebracht und selbst die Vernetzung mit Fachkräften anderer Disziplinen vorangetrieben. So war er einer der Ideengeber für die Berliner Beratungsstelle für Menschen mit Sehbehinderung, die 1992 ihren Betrieb aufgenommen hat. Dort arbeiten Fachkräfte aus der Augenheilkunde, der Augenoptik und Optometrie sowie der Sozialen Arbeit zusammen.

Auch die Gründung und die Arbeit der Low-Vision-Stiftung hat Dr. Klaus Schreck mit seinem Wissen und Engagement maßgeblich unterstützt. Nahezu legendär sind die Tagungen der VBS-AG Low Vision im Jahr 1999 in Kleinheubach bei Würzburg und die nachfolgenden Tagungen der Low-Vision-Stiftung in Würzburg, zu denen Dr. Klaus Schreck maßgeblich beigetragen hat.

Für Dr. Klaus Schreck war die fachgerechte Versorgung sehbehinderter Menschen mit optischen und elektronischen Sehhilfen eine Herzensangelegenheit. Seine Bemühungen um Vernetzung schlossen daher auch die Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und ihre Vereine und Verbände mit ein. Seine Studierenden hielt er an, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in Beratungssituationen mit sehbehinderten Menschen zu vertiefen. Dazu wurden u. a. Beratungsangebote an der TFH selbst eingerichtet, und die Studierenden erhielten die Möglichkeit, Praktika in der Berliner Beratungsstelle zu absolvieren.

Stets war Dr. Klaus Schreck auch um technische Verbesserungen und Neuerungen bemüht. Er experimentierte bis ins hohe Alter und griff technische Neuerungen auf, um sie für sehbehinderte Menschen nutzbar zu machen. Dabei arbeitete er eng mit der Industrie zusammen und förderte die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Durch zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen hat er dazu beigetragen, dass „Low Vision“ heute ein feststehender Begriff und die fachgerechte Versorgung sehbehinderter Menschen mit Sondersehhilfen ein selbstverständlicher Bestandteil ihrer Rehabilitation ist.

Mit zunehmendem Alter war Dr. Klaus Schreck auf die Unterstützung durch andere Menschen angewiesen. Sein letztes Lebensjahr verbrachte er in einer Pflegeeinrichtung. Anlässlich seiner Beisetzung am 28. Februar 2025 auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem haben ihm zahlreiche Freunde, ehemalige Kolleginnen und Kollegen sowie Studierende die Ehre erwiesen. Hätte er selbst zu diesem Anlass sprechen können, so hätte er vermutlich zum Abschluss gesagt: „Schreck ist weg“.

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Erwin Denninghaus

Erwin.Denninghaus@vbs.eu