Erwin Denninghaus

AG Low Vision: Analog trifft digital

Erwin Denninghaus

Unter dem Titel „Analog trifft digital – Tablets optisch optimiert!“ führte die VBS-AG Low Vision gemeinsam mit dem LWL-Berufsbildungswerk Soest vom 28. bis 30. März 2025 die 22. Soester Fachtagung durch. Im Fokus der Tagung stand – ergonomisch gesprochen – die Mensch-Maschine-Schnittstelle (Human-Machine-Interface) bezogen auf Menschen mit Beeinträchtigung des Sehens und Blindheit, die mit PC, Laptop, Tablet-PC oder Smartphone arbeiten.

Der Einsatz elektronischer Medien ist heute vom Schulunterricht bis zum hohen Alter selbstverständlich. Individuell wählbare Zoomeinstellungen scheinen dabei oft das Tragen der eigenen Brillenkorrektur oder auch den Einsatz weiterer optischer und nicht optischer Hilfsmittel überflüssig zu machen. Dabei ließe sich in vielen Fällen mittels der Kombination von digitalen Medien und erhöhter Nahaddition bzw. einer Lupenbrille der Sehkomfort, wenn nicht sogar die Sehleistung, deutlich verbessern.

Es ist jedoch zu beobachten, dass elektronische Lupen und andere digitale Geräte optische Sehhilfen wie Hyperokulare oder Monokulare immer mehr verdrängen, obwohl sie in Abhängigkeit von der Sehaufgabe entscheidende Vorteile bieten. So können z. B. eine schärfere Abbildung, ein geringerer Vergrößerungsbedarf oder eine entspanntere Arbeitshaltung durch die richtige Kombination der Hilfsmittel erzielt werden.

Wie die Referentinnen und Referenten dargelegt haben, können für diese Entwicklung unterschiedliche Gründe ausgemacht werden: So haben heute fast alle Menschen selbstverständlich ein Smartphone zur Hand, mit dem sie Schrift und Objekte in nahezu beliebiger Größe abbilden können. Dazu kommt, dass diese Hilfsmittel häufig als weniger stigmatisierend empfunden werden. Ein anderer Aspekt liegt darin, dass elektronische Sehhilfen für den abgebenden Augenoptiker weniger Fachwissen erfordern und weniger arbeitsaufwändig sind. So werden manche optischen Sehhilfen wie die Prismenfernrohr-Lupenbrille von Zeiss heute gar nicht mehr produziert.

Nicht von ungefähr kamen mehrere Referentinnen und Referenten aus der Schweiz, denn dort existiert – im Gegensatz zu Deutschland – ein flächendeckendes Netz von Low-Vision-Beratungsstellen. Der Low-Vision-Optiker Arnd Graf-Beilfuss, der für den Schweizerischen Zentralverband für das Blindenwesen (SZBlind) arbeitet, gab Einblicke in seine Arbeit und machte anhand verschiedener Beispiele deutlich, welchen Beitrag optische Sehhilfen in Kombination mit elektronischen Geräten leisten können.

Eva Kunz von der Fachstelle Sehbehinderung in Olten (CH) thematisierte die Bedeutung der pädagogischen Arbeit beim Erlernen des richtigen Einsatzes vergrößernder Sehhilfen unter dem Titel „Die Lupenbrille im Schulunterricht – Hilfestellungen auf dem Weg zur Akzeptanz“. Aber auch in Deutschland gibt es zukunftsweisende Entwicklungen: So stellte Prof. Dr. Verena Kerkmann, Hochschule Bochum, dar, wie sie im Rahmen ihrer Tätigkeit in einem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) die visuelle Diagnostik ausbaut und durch verschiedene Projekte dazu beiträgt, ihre Erkenntnisse und die daraus resultierende Praxis weiter zu verbreiten.

Ein kleiner, aber wesentlicher Teil der Tagung war schließlich die Neuwahl des AG-Vorstandes. Kirsten Wahren-Krüger und Frank Laemers stellten sich beide wieder zur Wahl und wurden in ihrem Amt bestätigt. Anschließend teilte Horst Hülsmann, Low-Vision-Optiker aus Bielefeld, der über Jahrzehnte dem erweiterten Vorstand der AG Low Vision angehört und ihre Arbeit mitgestaltet hat, mit, dass er sich altersbedingt zurückziehen wolle. Neu berufen wurde die Orthoptistin und Augenoptikerin Beate Prinz, die an den Universitäts-Augenkliniken in Bonn und Köln arbeitet. Im Vorstandsteam der AG Low Vision darf außerdem Sabine Axmann begrüßt werden. Sie ist überregionale Beratungslehrerin mit dem Förderschwerpunkt Sehen für den Raum Südhessen an der Hermann-Herzog-Schule in Frankfurt.

Weitere Referate und Workshops sowie eine kleine Hilfsmittelausstellung rundeten das Programm der Tagung ab. Nach aktuellem Stand wird sich die Ausgabe 2/2026 der blind-sehbehindert schwerpunktmäßig dem Thema „Analog trifft digital“ widmen. In der Ausgabe sollen Vorträge publiziert werden, die im Rahmen der Tagung gehalten wurden, sowie Inhalte und Ergebnisse von Workshops.

Frank Laemers, Kirsten Wahren-Krüger und Horst Hülsmann stehen nebeneinander in der Aula des LWL-Bildungszentrums Soest. Horst Hülsmann lächelt und hält sich ein braunes T-Shirt vor die Brust mit der Aufschrift „Not working from anywhere“ und dem Bild einer Person in einer Hängematte.

Abbildung 1: Kirsten Wahren-Krüger und Frank Laemers bedanken sich bei Horst Hülsmann für eine jahrzehntelange vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Abbildungen

Erwin Denninghaus

Erwin.Denninghaus@vbs.eu