„Auf der Taststraße zur Punktschrift“ – Neuauflage
des Förderprogramms zur Vorbereitung blinder Kinder
auf das Lesenlernen
Schrift ist für sehende Kinder in ihrer Umgebung ständig zugänglich und verfügbar: Zuhause, beim Einkaufen, in Bilderbüchern – überall begegnen sie Schrift bzw. können Schrift selbst entdecken. Blinde und dual lernende, hochgradig sehbehinderte Kinder benötigen für Kontakte mit der Brailleschrift eine entsprechend vorbereitete Umgebung. Es bedarf spezifischer Lernmaterialien, die auf vielfältige, spielerische und handlungsorientierte Weise das Erlernen der Brailleschrift anbahnen. Das Materialpaket „Auf der Taststraße zur Punktschrift“ wurde bereits 2003 so konzipiert, dass es
- die haptische Differenzierung fördert und gezielt zur Unterscheidungsfähigkeit von Braillezeichen hinführt,
- beidhändiges Lesen vorbereitet und einübt,
- den Aufbau eines differenzierten Schriftkonzeptes initiiert („Was ist Schrift?“),
- die Entwicklung von Lesemotivation fördert.
Aufgrund positiver Ergebnisse einer Evaluation des Einsatzes der Lernmaterialien (Lang, Markus (2003)). Haptische Wahrnehmungsförderung mit blinden Kindern. Möglichkeiten der Hinführung zur Brailleschrift. Regensburg, Roderer-Verlag), wurden diese zwischen 2005 und 2013 in drei Auflagen (je 50 Exemplare) professionell produziert und vertrieben. Seit etlichen Jahren ist das Material jedoch nicht mehr erhältlich. Durch eine Kooperation mit der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn konnte nun eine Neuauflage realisiert werden (siehe Abbildung 1).
Einzelne Materialien wurden hierbei durch den Einbezug neuer Herstellungsverfahren grundlegend überarbeitet. Die bewährten Charakteristika (z. B. Doppelbeschriftung der Vorlesetexte in Braille und Schwarzschrift; integriertes Formen-Würfelspiel) sowie Umfang und Ausstattung des Materialpakets sind gleich geblieben.

Abbildung 1: Die Neuauflage des Materialpakets „Auf der Taststraße zur Punktschrift“
Neu ist jedoch, dass Punktschrift und taktile „Taststraßen“ in prägnanter Druckhöhe durchgängig farbig im Lackdruckverfahren erzeugt wurden. Hierdurch wird die visuelle Attraktivität der Übungen erhöht, so dass sie z. B. auch bei sehenden Eltern oder Geschwisterkindern verstärkt Aufmerksamkeit und Interesse auslösen (Abbildung 2 und 3). Bei Tastübungen, in denen es pädagogisch sinnvoll ist, sind Tastmuster visuell hoch kontrastierend dargestellt, was speziell für hochgradig sehbehinderte Kinder eine zusätzliche Motivation und Erkennungshilfe bedeutet.
Eine weitere Besonderheit der Neuauflage ist, dass das Lehrmaterial von den Werkstätten für Menschen mit Sinnesbehinderungen der Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn endmontiert und vertrieben wird. Hierdurch entsteht eine durchaus spezielle inhaltliche Passung: blinde und sehbehinderte Erwachsene stellen Fördermaterialien für blinde und hochgradig sehbehinderte Kinder her.
Schließlich wurden als weitere Neuerung die Aufbewahrungssysteme der Materialien (z. B. Ringordner, Mappen, Holzboxen) professionell überarbeitet und vereinheitlicht.

Abbildung 2: Doppelseite aus dem Vorlesebuch „Die Schatzsuche“

Abbildung 3: Übungsseite aus dem Material „Fingerwettrennen“
Die erste Serie der Neuauflage ist durch Vorbestellungen bereits so gut wie vergriffen. Jedoch ermöglichen die neuen Produktionsverfahren, dass weitere Auflagen schnell umgesetzt werden können. Diesbezügliche Planungen sind derzeit angelaufen. Vorbestellungen und Vertrieb des Materialpakets gehen über die Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn (gernot.pfau@stiftung-st-franziskus.de und chris.fehrenbach@stiftung-st-franziskus.de). Derzeit wird das komplette Materialpaket für EUR 1.500 verkauft. Da bislang keine Fördermittel zur Verfügung stehen und die Produktion alleine über den Verkaufspreis gedeckt werden muss, erfolgt der Vertrieb „On Demand“, das heißt, das Lehrmaterial wird bestellt und bezahlt und daraufhin erst endmontiert und verschickt. Diese Vertriebsorganisation und der Sachverhalt, dass Menschen mit Sinnesbeeinträchtigung in speziell angepassten Arbeitsschritten die Einzelmaterialien fertigstellen, bewirken längere Produktionszeiten und entsprechend spätere Auslieferungen. Spenden und finanzielle Unterstützung sind sehr willkommen, um den Ausgabepreis trotz weiter steigender Materialkosten stabil halten zu können (Ansprechperson hierzu: gernot.pfau@stiftung-st-franziskus.de und chris.fehrenbach@stiftung-st-franziskus.de).
