Mehrsprachigkeit oder doch (nur) Zweisprachigkeit?
Zum Konstrukt Mehrsprachigkeit in deutschsprachigen Diskursen
Terminologische Präzision ist eine Voraussetzung für kohärenten wissenschaftlichen Diskurs - und zugleich oft eine besondere Herausforderung in dynamischen Forschungsfeldern. Anschauliches Beispiel hierfür sind die Wortfamilien mehrsprachig* und zweisprachig*, deren Verwendung in wissenschaftlichen wie öffentlichen Kontexten keineswegs einheitlich ist. Der vorliegende Beitrag untersucht korpusbasiert, wie diese Begriffe in medialen und wissenschaftlichen Diskursen des Deutschen verwendet werden, und rekonstruiert semantische Verschiebungen über drei Jahrzehnte hinweg. Analysiert werden das größte Zeitungskorpus des Deutschen (W-Archiv des IDS), Artikel aus Die ZEIT und der taz sowie Beiträge aus der ZFF. Die Ergebnisse zeigen erstens, dass die Verwendung des Nomens Mehrsprachigkeit seit 2000 deutlich zunimmt, während das Adjektiv mehrsprachig anteilig stabil bleibt. Zweitens unterscheiden sich die Verwendungskontexte von mehrsprachig* und zweisprachig* teils erheblich. Drittens erweist sich zweisprachig* als semantisch konsistent (Gebrauch von zwei Sprachen), während mehrsprachig* zunehmend als unspezifisches Hyperonym fungiert. Die Studie plädiert anschließend für eine präzisere und transparentere Verwendung beider Begriffe im wissenschaftlichen Diskurs.
Beiträge
How to do words with things
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Open Access
Mehrsprachigkeit oder doch (nur) Zweisprachigkeit?
Zum Konstrukt Mehrsprachigkeit in deutschsprachigen Diskursen
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weitere Infos
Marx, Nicole (2026). Mehrsprachigkeit oder doch (nur) Zweisprachigkeit? Zum Konstrukt Mehrsprachigkeit in deutschsprachigen Diskursen. Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 2/2026, 37(2), 25-47. Bielefeld: wbv Publikation. https://doi.org/10.3278/ZFF2602W002