Sabine Lauber-Pohle

Editorial

Rehabilitation und Teilhabe – Chancen erkennen, Wege gestalten

Sabine Lauber-Pohle

Die Förderung der Selbstständigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung ist ein zentrales Anliegen unserer Arbeit. Rehabilitation umfasst dabei weit mehr als nur die Vermittlung von Orientierungstechniken oder die Anwendung von Hilfsmitteln – sie bedeutet, Menschen in ihrer individuellen Situation zu stärken, ihnen neue Perspektiven zu eröffnen und Barrieren abzubauen.

Die Beiträge dieser Ausgabe widmen sich diesem wichtigen Thema aus verschiedenen Blickwinkeln: Die PROVIAGE-Studie zeigt eindrücklich, wie wichtig eine frühzeitige Beratung für Menschen mit einer spät erworbenen Beeinträchtigung des Sehens ist – und wie oft diese individuelle Unterstützung noch nicht wahrgenommen oder empfohlen wird. Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz eines Avatars im Hausunterricht, der neue Möglichkeiten der Teilhabe für sehbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler eröffnet. Ebenso bietet das erweiterte Kerncurriculum (ECC) eine bewährte Grundlage für die Pädagogik bei Blindheit und Sehbehinderung, die weiterhin von hoher Aktualität ist.

Doch Teilhabe geschieht nicht nur durch strukturierte Bildungs- oder Beratungsangebote. Sie beginnt im Alltag – beim Wandern, beim Lesenlernen oder in der Kommunikation. Wie inklusive Freizeitaktivitäten gestaltet werden können oder wie eine Erstlesefibel mit taktilen Symbolen für blinde Kinder zugänglich gemacht wird, zeigen weitere Beiträge dieser Ausgabe.

Der abschließende Artikel „Wilhelm Mecker – Eine Begegnung nach 140 Jahren“ wurde von der Redaktion für die Veröffentlichung vor allem aus zwei Gründen ausgewählt: zum einen ist es einer von wenigen Beiträgen, der die Wirksamkeit blinden- und sehbehindertenpädagogischen Engagements auf die Teilhabe an Beruf und Gesellschaft betroffener Menschen darstellt, zum anderen ist Wilhelm Mecker mit unserer Zeitschrift eng verbunden: Die Zeitschrift „blind-sehbehindert“ ist die Nachfolgerin der „Zeitschrift für das Blinden- und Sehbehindertenbildungswesen – Der Blindenfreund“, hervorgegangen aus der Zeitschrift „Der Blindenfreund“, gegründet im Jahr 1881 vom königlichen Schulrat Wilhelm Mecker, Düren.

Diese Ausgabe soll informieren, inspirieren und Mut machen, weiterhin für eine inklusive Gesellschaft einzutreten. Lassen Sie uns weiter gemeinsam daran arbeiten, passende Rehabilitations- und Bildungsangebote zu gestalten und damit gesellschaftliche Teilhabe zu unterstützen.

Eine gute Möglichkeit dafür sind die zahlreichen Fort- und Weiterbildungsangebote der Arbeitsgemeinschaften und Kreise des VBS (siehe Fortbildungskalender). Daneben ist dieses Jahr von mehreren internationalen Konferenzen geprägt. Im Mai fand in Padua die 10th ICEVI-European Conference statt, gefolgt von der Sight City in Frankfurt. Im Juni geht es in Amsterdam bei „ENVITER: Tactile Reading Conference“ um neue Entwicklungen rund um taktiles Lesen und Schreiben. Im September schließlich findet in Florenz die 15th International Conference on Low Vision Research and Rehabilitation mit dem Thema: „Equal opportunities, unique experiences“ statt.

Viel Vergnügen und neue Erkenntnisse bei der Lektüre!

Sabine Lauber-Pohle für die Redaktion

Portrait: apl. Prof. Dr. Sabine Lauber-Pohle

apl. Prof. Dr. Sabine Lauber-Pohle

E-Mail: sabine.lauber-pohle@vbs.eu