Lehrpraxis dekolonisieren. Machtstrukturen aufbrechen, Demokratiebildung fördern
die hochschullehre 71/2025
Deutschland ist als ehemalige Kolonialmacht wie viele andere Länder immer noch von Kolonialität geprägt, d. h. von lang anhaltenden Macht- und Denkstrukturen, die sich in der Kolonialzeit ausgebildet haben und bis heute Auswirkungen zeigen. Solche Macht- und Denkstrukturen üben z. B. auf Bereiche wie Wissensproduktion und -weitergabe, (Selbst-)Wahrnehmung und intersubjektive Beziehungen großen Einfluss aus (Mendoza, 2016, S. 114) - und damit auf wesentliche Aspekte des Bildungswesens. Ausgehend von der Situation, dass diese andauernden Strukturen Hochschulen bis heute vor Herausforderungen stellen, argumentiert dieser Beitrag zunächst, dass die unreflektierte Reproduktion solcher Macht- und Denkstrukturen in der Hochschullehre das Erlernen von für die Demokratiebildung und die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung benötigten Kompetenzen seitens der Studierenden beeinträchtigen oder sogar verhindern kann. Des Weiteren möchte dieser Beitrag Ideen diskutieren, wie teils bereits lange etablierte Bestandteile der hochschuldidaktischen Praxis und Weiterbildung genutzt werden können, um das eigene Lehrhandeln und die Lehrveranstaltungen Stück für Stück von durch Kolonialität geprägte Strukturen zu befreien.
Dr. Miriam Gertzen. Universität zu Köln, Zentrum für Hochschuldidaktik (ZHD), Köln, Deutschland; E-Mail: mgertzen@uni-koeln.de