Ein Jahr ZFF im Open Access: Rückblick mit Ausblick

Licht und Schatten auf grauer Betonwand

Ein Beitrag von Prof. Dr. Andreas Grünewald, Universität Bremen, Mitglied der Redaktion der Zeitschrift für Fremdsprachenforschung (ZFF)

„Wir wollten, dass die ZFF dort sichtbar ist, wo wissenschaftlicher Austausch heute stattfindet – digital und offen zugänglich.“

Dieser Gedanke stand am Anfang eines Prozesses, der auf den ersten Blick nach logischer Weiterentwicklung aussah: Vor rund eineinhalb Jahren entschied die Deutsche Gesellschaft für Fremdsprachenforschung (DGFF), gemeinsam mit wbv Publikation ihre Zeitschrift für Fremdsprachenforschung im Open Access herauszugeben und damit konsequent auf digitale Zugänglichkeit zu setzen.

Ausgangslage: Gut, aber nicht gut genug
Die Zeitschrift für Fremdsprachenforschung (ZFF) war wissenschaftlich anerkannt, gut etabliert und zugleich organisatorisch stabil. Sie gehörte seit Jahren zu den zentralen Publikationsorganen ihres Fachs, mit einem klaren wissenschaftlichen Profil, einem etablierten Peer-Review-Verfahren und einer festen Verankerung in der Community. Die Printausgabe erschien mehrsprachig und erreichte ihre Leser:innen zuverlässig als Mitgliederzeitschrift der DGFF und über Bibliotheksabonnements.
Gleichzeitig zeigte sich eine strukturelle Grenze, die lange kaum hinterfragt wurde. Die gedruckten Ausgaben waren zwar verbreitet, doch ihre tatsächliche Nutzung blieb weitgehend im Verborgenen. Es ließ sich kaum nachvollziehen, welche Beiträge gelesen wurden, welche Themen Resonanz erzeugten und wie weit die Inhalte tatsächlich zirkulierten.

Eine überfällige Entscheidung
Mit der fortschreitenden Digitalisierung im wissenschaftlichen Publizieren gewannen Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und internationale Reichweite an Bedeutung, während gedruckte Verbreitungswege an Einfluss verloren. Für die Redaktion wurde immer deutlicher, dass Open Access keine bloße Option mehr war, sondern vielmehr notwendig wurde, wenn die Zeitschrift weiterhin attraktive Beiträge publizieren wollte.
Die Entscheidung für Open Access fiel vor allem mit Blick darauf, Forschungsergebnisse ohne Zugangshürden verfügbar zu machen und den digitalen Austausch zu fördern. Sie folgte der Einsicht, dass wissenschaftliche Kommunikation längst nicht mehr an institutionelle Zugänge gebunden ist, sondern sich in offenen, vernetzten Räumen entfaltet.

Erst Zweifel, dann Routine
Wie bei vielen Veränderungsprozessen gab es anfänglich vereinzelt Skepsis bei den über 600 Mitgliedern des Verbands.

„Die entscheidende Frage war für viele Mitglieder nicht die digitale Sichtbarkeit, sondern ob die ZFF ihre etablierten wissenschaftlichen Standards halten kann.“

Fragen nach Qualität, Finanzierung und dem Verlust der Printausgabe wurden daraufhin in der Arbeitsgruppe mit Verlag und allen anderen Beteiligten ausführlich diskutiert und beantwortet. Im Verlauf des Prozesses zeigte sich, dass Bedenken durch transparente Kommunikation und nachvollziehbare Entscheidungen entkräftet werden konnten.
Trotzdem stellte die praktische Umsetzung hohe Anforderungen an alle Beteiligten, schließlich ging es nicht nur um eine andere Form der Veröffentlichung. Die redaktionellen Prozesse und Arbeitsabläufe mussten neu konzipiert werden, technische Infrastrukturen wurden angepasst. Digitale Workflows und barrierefreie Formate wurden zu selbstverständlichen Aufgaben der Zeitschriftenredaktion.
Ein zentraler Punkt war auch die bewusste Entscheidung gegen Article Processing Charges (APCs). Die ZFF sollte auch im Open Access ohne Publikationsgebühren für Autor:innen auskommen, was eine Neuorganisation der Finanzierung notwendig machte.

Plötzlich zählt, was vorher unsichtbar war
Mit der Umstellung wurde erstmals greifbar, was zuvor kaum messbar war. Die Reichweite der Beiträge ließ sich konkret nachvollziehen, ebenso wie ihre Nutzung in unterschiedlichen Kontexten.

„Gedruckte Hefte zu verschicken heißt eben nicht automatisch,
dass die Beiträge auch gelesen werden.
Das sehen wir heute deutlicher als früher.“

Die ZFF ist heute weltweit frei zugänglich und erreicht neben der etablierten Fachcommunity auch internationale Forschende, Studierende und Praktiker:innen.
Diese erweiterte Sichtbarkeit hat die Dynamik der Zeitschrift spürbar verändert. Inhalte werden gezielter verbreitet, etwa über zusätzliche Kommunikationskanäle des Verlags, und finden ihren Weg in neue Zusammenhänge. Die Leserschaft ist heterogener geworden und reicht deutlich über die ursprüngliche Mitgliederbasis der DGFF hinaus.
Auch auf Seiten der Autor:innen zeigt sich eine Veränderung. Die Zahl der Einreichungen ist gestiegen, was darauf hindeutet, dass die ZFF als attraktiver Publikationsort wahrgenommen wird. Open Access spielt dabei eine wichtige Rolle, weil er die Aussicht auf größere Reichweite und Wirkung eröffnet.

Qualität bleibt und wird sichtbarer
Eine zentrale Frage im Vorfeld betraf die wissenschaftliche Qualität der Zeitschrift, die durch die Umstellung keinesfalls beeinträchtigt werden sollte. Rückblickend lässt sich festhalten, dass sich diese Befürchtung nicht bestätigt hat. Die etablierten Begutachtungsverfahren bestehen fort und die inhaltlichen Standards sind unverändert hoch.
Unter anderem sorgt der (nicht mitgliedsbezogene) Newsletter von wbv Publikation für die Verbreitung neuer Ausgaben und einzelner Beiträge und erreicht damit auch Menschen, die zuvor keinen direkten Bezug zur Fachgesellschaft hatten. Das Ergebnis: Die ZFF wird stärker wahrgenommen – innerhalb und außerhalb der eigenen Fachcommunity.

Stabilisierung auf hohem Niveau
Die Umstellung auf Open Access ist und bleibt für das ZFF-Team ein fortlaufender Prozess, in dem Routinen entwickelt und Strukturen stabilisiert wurden. Dieser Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen.
Im nächsten Schritt richten Verlag und Redaktion den Blick auf (noch) mehr Sichtbarkeit für die ZFF. Dazu gehört unter anderem die Indexierung in wissenschaftlichen Datenbanken. Sie erhöht nicht nur die Auffindbarkeit und langfristige Sichtbarkeit der Beiträge, sondern stärkt auch die wissenschaftliche Reputation der Zeitschrift und ihre Wahrnehmung innerhalb der Fachgemeinschaft.

Lessons Learned

Wer auf den Prozess zurückblickt, merkt schnell: Open Access ist kein Sprung ins Ungewisse, sondern eher eine Reihe gut begründeter Schritte, mit ein paar Aha-Momenten unterwegs.

Erstens: Der Schritt lohnt sich. Und zwar nicht nur für die Naturwissenschaften, die hier oft als Vorreiter gelten, sondern auch in den Geisteswissenschaften. Für die ZFF hat sich gezeigt, wie Reichweite und Relevanz durch offene Zugänglichkeit wachsen können.

Zweitens: Kommunikation ist kein Beiwerk, sondern der Schlüssel. Viele Vorbehalte zu Beginn, etwa zu Qualität, Finanzierung oder Aufwand, lassen sich abbauen, wenn transparent informiert und offen diskutiert wird. Wer erklärt, nimmt Unsicherheit den Raum.

Drittens: Prozesse brauchen Zeit. Die Umstellung auf Open Access ist kein Schalter, den man einfach umlegt. Es ist ein Lernprozess mit neuen Routinen, neuen Abstimmungen und manchmal auch kleinen Umwegen. Aber: Mit jedem Schritt wird es einfacher.

Und viertens: Sichtbarkeit endet nicht beim freien Zugang. Open Access schafft die Grundlage, doch Reichweite entsteht erst durch aktive Verbreitung: über Newsletter, Websites, gezielte Kommunikation durch Fachgesellschaften und Verlag sowie durch die Einbindung in relevante Wissenschaftsstrukturen.

Zeitschrift für Fremdsprachenforschung (ZFF)

geschrieben am 25.06.2026

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Schlagworte: Open Access · Wissenschaft · Publizieren