KI ist längst Teil des wissenschaftlichen Schreiballtags und stellt Fragen nach Transparenz, Verantwortung und Kennzeichnung. Dieser Beitrag bietet Autor:innen, Herausgebenden und Verlagen praxisnahe Orientierung für den Umgang mit KI im wissenschaftlichen Publizieren.
Eine gemeinsame Orientierung in bewegten Zeiten
Die letzte Fußnote fehlt noch, ein Absatz wirkt sperrig oder ein Argument ließe sich eleganter formulieren. Ein KI-Tool schlägt eine Alternative vor. Klingt gut. Vielleicht sogar sehr gut. Kurz bleibt die Frage: Darf das so bleiben? Muss das kenntlich gemacht werden? Und wenn ja, wie?
Solche Situationen sind längst keine Ausnahme mehr. Sie gehören inzwischen zum wissenschaftlichen Publikationsalltag. Künstliche Intelligenz ist da, nicht als abstraktes Zukunftsthema, sondern als konkretes Werkzeug im Schreibprozess. Sie hilft beim Strukturieren, Überarbeiten, Zusammenfassen. Dabei wirft die Arbeit mit KI Fragen auf, für die es noch keine jahrzehntelang erprobten Antworten gibt.
Einen Wissensvorsprung hat hier niemand. Auch wir als Verlag nicht. Was es aber braucht, ist eine gemeinsame Haltung.
Verantwortung bleibt menschlich
KI eröffnet neue Möglichkeiten für wissenschaftliches Arbeiten. Sie kann entlasten, anregen, beschleunigen. Gleichzeitig verschiebt sie Grenzen: zwischen Unterstützung und Mitwirkung, zwischen Werkzeug und Mitautor. Klar ist: KI ersetzt keine wissenschaftliche Autor:innenschaft. Sie bewertet keine Argumente, übernimmt keine Verantwortung, steht für keine Thesen ein. Diese Verantwortung bleibt, wie bisher, bei den Autor:innen.
Gleichzeitig rückt eine weitere Rolle stärker in den Fokus: die der Herausgebenden. Sie begleiten Publikationen fachlich, moderieren Qualitätssicherungsprozesse und tragen wesentlich dazu bei, wissenschaftliche Standards zu sichern. Mit dem Einsatz von KI erweitern sich auch hier die Fragestellungen, z. B. wenn es um Transparenz, Nachvollziehbarkeit oder redaktionelle Einordnung geht.
Herausgebende als Lots:innen im Prozess
Herausgebende sind keine Prüfinstanz für technische Details einzelner Tools. Aber sie gestalten den Rahmen, in dem wissenschaftliche Beiträge entstehen. Gerade deshalb kommt ihnen im Umgang mit KI eine wichtige Rolle zu: als Gesprächspartner:innen, als Einordnende, als diejenigen, die Erwartungen transparent machen. Nicht jede KI-Nutzung lässt sich eindeutig bewerten. Umso wichtiger ist es, dass Autor:innen und Herausgebende frühzeitig im Austausch stehen, um zu klären, wie KI eingesetzt wurde und wo eine Kennzeichnung sinnvoll ist. So entsteht ein gemeinsames Verständnis von guter wissenschaftlicher Praxis unter veränderten Bedingungen.
Warum Transparenz eine gemeinsame Aufgabe ist
Wissenschaft lebt von Nachvollziehbarkeit. Leser:innen, Gutachter:innen und Herausgebende müssen einordnen können, wie Texte, Analysen oder Abbildungen entstanden sind. Der Einsatz von KI ist dabei kein Tabu, sondern eine Information. Transparenz bedeutet nicht, jeden Arbeitsschritt offenzulegen. Sie bedeutet, dort offen zu sein, wo KI inhaltlich mitgewirkt hat. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Respekt vor dem wissenschaftlichen Prozess.
Wir als Verlag verstehen diese Transparenz als Grundlage für Vertrauen: zwischen Autor:innen, Herausgebenden und Leser:innen.
KI zitieren: Orientierung statt Vorschriften
Wo KI zur Erstellung von Texten, Abbildungen oder anderen Inhalten beiträgt, empfehlen wir, sie wie ein Hilfsmittel oder eine Quelle zu behandeln. Eine klare Benennung, etwa in Fuß- oder Endnoten sowie im Literaturverzeichnis, schafft Nachvollziehbarkeit und vermeidet Grauzonen.
Hilfreich sind dabei drei einfache Fragen:
- Was wurde mithilfe von KI erstellt?
- Welches Tool kam zum Einsatz (Anbieter, Modell, URL)?
- Wann wurde es genutzt (Datum, Version)?
Beispiel (APA, im Text):
„Autor:innen dürfen KI-generierte Texte in ihre Publikationen übernehmen, sofern die Nutzung transparent gemacht und die Inhalte fachlich geprüft werden.“ (OpenAI, 2024).
Literaturverzeichnis:
OpenAI. (2024). ChatGPT (Version 4.0) [Large language model]. chat.openai.com/chat
Eine kurze Erläuterung in Einleitung oder Methodenteil kann zusätzlich verdeutlichen, in welchem Umfang KI eingesetzt wurde.
Transparenz ja, aber bitte praktikabel
Nicht jede technische Unterstützung erfordert eine ausführliche Kennzeichnung. Wird KI lediglich zur Rechtschreibprüfung, zur stilistischen Überarbeitung oder zur Literaturverwaltung eingesetzt, genügt ein allgemeiner Hinweis. Hier unterstützt die Technik formale Aspekte und nicht den wissenschaftlichen Gehalt.
Fazit: Orientierung entsteht im Miteinander
KI verändert das wissenschaftliche Publizieren – schrittweise, spürbar und ohne fertige Spielregeln. Umso wichtiger ist es, Orientierung gemeinsam zu entwickeln: Autor:innen, Herausgebende und Verlag.
Denn gute wissenschaftliche Publikationen entstehen nicht durch perfekte Tools, sondern durch Verantwortung, Dialog und eine gemeinsame Haltung.
Dieser Beitrag ist mit Unterstützung von KI (ChatGPT, Version 5.2) entstanden.