Schreibwissenschaft als Disziplin. 10 Jahre JoSch – Vergangenheit und ZukunftJoSch 2/20

Die Herausgeber:innen und Redakteurinnen von JoSch haben nach zehn Jahren und 20 Ausgaben Bilanz gezogen. Die Ausgabe beginnt mit einer Geschichte des JoSch, die die ehemaligen wie aktuellen Herausgeber:innen selbst erzählen. Daran anschließend berichten Weggefährten von den jeweils eigenen Erfahrungen mit der Zeitschrift oder hinterlassen einen Geburtstagsgruß .

Schon seit der ersten Ausgabe werden im JoSch Themen aus Schreibdidaktik und Schreibforschung behandelt. Der Titel der Zeitschrift bedeutete also nie eine programmatische Engführung auf die Schreibberatung, sondern ergab sich vielmehr aus dem Entstehungskontext des Projekts. Folgerichtig nehmen die Herausgeber:innen dieses Jubiläum nun zum Anlass, das Journal der Schreibberatung in Journal für Schreibwissenschaft umzubenennen. Damit geht der Wunsch einher, die Hefte noch weiter für grundlegende theoretische wie empirische Forschungsartikel zu öffnen, ohne den bisherigen praktisch-didaktischen Fokus damit aufzugeben. Ein wissenschaftlicher Beirat wird die Redaktion fortan bei der Entwicklung der Zeitschrift zur Seite stehen.

Passend zur Umbenennung und mit Blick auf die noch lebendigen Debatten im Gefolge der Konferenz in Klagenfurt 2019 verleiht die Redaktion mit dem Thema Schreibwissenschaft als Disziplin auch dieser Ausgabe einen fachlichen Schwerpunkt. Die Beiträge nehmen die Verfasstheit einer Schreibwissenschaft als eigenständige(Inter-)Disziplin in den Blick und gehen der Frage nach, welche Bedeutung, welche Untersuchungsgegenstände und welche Perspektiven ihr vor allem für die schreibdidaktische Praxis zukommen müssten

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Die neue Ausgabe erscheint Ende November 2020.

Kruse, Otto
Schreibwissenschaft ja, aber bitte als eigene Disziplin

Der Beitrag bezieht sich auf die Diskussionen, die auf der gemeinsamen Tagung "Gibt eseine Schreibwissenschaft?" im Juni 2019 in Klagenfurt stattgefunden hat, und blättert einige Argumente auf, die dafür sprechen, eine Schreibwissenschaft nicht als losen, interdisziplinären Verbund, sondern als selbständige Disziplin zu konzipieren. Auch wenn sichder derzeit bereits existierende lose Verbund als sehr produktiv und gestaltungsaktiv zeigt,fehlt einem Fach ohne eigene Studiengänge, Institute und wissenschaftlichen Nachwuchsdoch die Legitimation für Lehre und Forschung. Der Beitrag zeigt auf, was für ein Fach eine Schreibwissenschaft sein könnte und wie es in der gegenwärtigen Hochschullandschaft zu positionieren wäre.

Karsten, Andrea/Weisberg, Jan
Profession und Disziplin. Ein Schreibgespräch über den Weg durch die Fächer,Schreibdidaktik als Feldforschung (und – nebenbei – die Rettung der Schriftkultur)

Dieser Beitrag dokumentiert ein authentisches im Chat-Format produziertes Gespräch der beiden Autor:innen aus dem April 2020. Anlass für dieses Schreibgespräch war der aktuelle Diskurs im Feld der Schreibdidaktik an Hochschulen, in dem die Entwicklung der Profession und die Etablierung einer interdisziplinären Schreibwissenschaft als Disziplin diskutiert werden. Im Mittelpunkt des Schreibgesprächs steht das spontane gemeinsame Nachdenken über die Zukunft des Feldes der Hochschulschreibdidaktik und mögliche Wege in diese vorgestellte Zukunft. Im Dialog entsteht eine Idee, wie durch eineethnographische Praxis im Umgang mit Schreiber:innen verschiedener Fächer ein gemeinsamer Weg entstehen kann, der zu einer Professionalisierung der Schreibdidaktik an Hochschulen und eben dadurch auch zur Etablierung einer praxisbezogenen Schreibforschung führt.

Hoksch, Dennis/Holste, Alexander/Kaib, Alexander/Pohle, Stefanie/Stratmann, Angelina
Schreibprozesse und Texte im Zeitalter der Digitalisierung: Herausforderungenfür eine zeitgemäße Schreibwissenschaft und -didaktik. Ein Werkstatt- und For-schungsgespräch der SIG Digitalisierung

Mit der Fragestellung "Wie berücksichtigt die Schreibwissenschaft Veränderungen durchdigitale Schreibprozesse und digitale Texte von Studierenden?" kam die SIG Digitalisierung in einem virtuellen Werkstatt- und Forschungsgespräch zusammen, um Aspekte der Digitalisierung hinsichtlich Schreibforschung und -beratung zu diskutieren. Im Gesprächwurde deutlich, dass Digitalisierung wesentliche Aspekte des Schreibens (Schreibprozesse, Textdefinition) verändert. Dabei gewinnen Informations- sowie Medienkompetenz einen hohen Stellenwert und können schreibdidaktisch gefördert werden. In diesem Sinne gibt es weiterhin einen Bedarf von Train-the-Trainer-Angeboten, welche die Besonderheiten digitalen Schreibens für die Lehre vermitteln.

Heine, Carmen
Schreiben und Übersetzen: Zwei Perspektiven für eine fächerübergreifende Zusammenarbeit

Als Forschungsgegenstände sind Schreiben und Übersetzen so komplex, dass viele Forschungsfragen zwangsläufig nur oder besser durch fächerübergreifende Zusammenarbeit zwischen der Schreib- und der Übersetzungswissenschaft in Angriff genommen werden können. Beide interdisziplinären Felder können entlang etablierter Wissenschaftstraditionen arbeiten, auf diese aufbauen und daraus eigene Perspektiven entwickeln. Zwei Textproduktionsperspektiven, die eine fächerübergreifende Zusammenarbeit nahelegen, werden in diesem Beitrag aus didaktischer und professioneller Textproduktionssicht präsentiert und diskutiert: die ontogenetische und die soziologische Perspektive. Der Beitrag zielt darauf ab, Verständigungsprozesse über Fächergrenzen hinweg anzuregen.

Rothe, Daniela
Schreiben als Wissenserwerb und Subjektbildung. Erziehungswissenschaftliche Fragen im Feld der Schreibwissenschaft

Der Artikel geht der Frage nach, was die Erziehungswissenschaft theoretisch und empirisch zur Schreibwissenschaft beitragen kann. Es wird davon ausgegangen, dass im Schreiben an der Hochschule nicht nur fachliches Wissen und Schreibkompetenzen erworben werden, sondern auch Prozesse der Subjektbildung stattfinden, in denen Studierende eine wissenschaftliche Haltung zur Welt entwickeln können. Auf dieser Grundlage werden drei Fragenkomplexe skizziert: Wie lässt sich das Schreiben bildungstheoretisch verstehen und als Schreibpraxis empirisch untersuchen? Welche Rolle spielt das Schreiben für die Reproduktion sozialer Ungleichheit im akademischen Feld? Welche Bedeutung hat das Schreiben für Prozesse der Professionalisierung innerhalb und im Anschluss an das Studium?

Alagöz-Bakan, Özlem
Schreibwissenschaft macht Schule: Peer-Feedback in der DaZ-Praxis

Dieser Erfahrungsbericht schildert aus der Perspektive einer Lehrkraft, inwiefern Befunde aus der Schreibforschung zur Optimierung von methodischen und didaktischen Überlegungen beitragen. In einer Unterrichtseinheit wurde mit DaZ-Schüler:innen die Eignung der schreibdidaktischen Methode Textlupe erprobt. Im Fokus stand die Frage, inwieweit sich diese Form von Peer-Feedback für Schülerinnen und Schüler mit geringen Deutschkenntnissen als unterstützendes Vorgehen im Rahmen der Textüberarbeitung anbietet.

Spieker, Ines
Ratsuchende mit westslawischer Erstsprache in der Schreibberatung

In Polen und Tschechien ist die Schreibwissenschaft noch Neuland. Der Beitrag beschäftigt sich mit der Schreibberatung in diesen Ländern bzw. mit der Beratung von Studierenden mit westslawischer Erstsprache in Deutschland. Dazu werden Aspekte der Schreib- und Sprachkultur dargestellt und konkrete Empfehlungen zur Textarbeit mit Ratsuchenden aus dem westslawischen Raum formuliert.

Römmer-Nossek, Brigitte/Unterpertinger, Erika
Interdisziplinäre Schreibwissenschaft und Schreibdidaktik in Österreich

Das Selbstverständnis der Schreibwissenschaft als Forschungsfeld ist Gegenstand von Verhandlung, die im Rahmen aktiver Diskussionen innerhalb der Community stattfindet. In unserem Beitrag präsentieren wir die Ergebnisse einer Online-Umfrage innerhalb der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliches Schreiben (GewissS) zur Frage, wie die österreichische Schreibcommunity sich zusammensetzt und wie sie sich im Feld der Schreibwissenschaft verortet. Es zeichnet sich ab, dass die österreichische Community disziplinär breit aufgestellt sowie in der Praxis verankert ist. Dabei sehen viele Schreibforschung als bedeutsam für das eigene Handlungsfeld an.

Moritz, Regina
Der frühe Vogel – Wissenschaftliches Schreiben im akademischen Curriculum

Wissenschaftliches Schreiben als Kernkompetenz des Repertoires von Wissenschaftler:innen wird meist nicht als Teil des Curriculums an deutschen Hochschulen gelehrt. Dabei ist der Bedarf da: 2018 absolvierten knapp 400.000 Studierende einen Bachelor- oder Masterabschluss mit Qualifikationsarbeit: für viele ein mühsamer Prozess. Der Artikel beleuchtet, in welcher Vielfalt das Wissenschaftliche Schreiben seine Funktionen ausübt,und leitet Argumente für den verbindlichen Erwerb dieser Qualifikation ab. Um Wissenschaftliches Schreiben als wissenschaftliche Tätigkeit anzuerkennen, wird hier eine Skizzevorgelegt zum Zusammenklang von Schreibwissenschaften und WissenschaftlichemSchreiben als Teildisziplinen der akademischen Ausbildung.