Digitale Medien zur gesellschaftlichen IntegrationPreisverleihung 2016

Der Innovationspreis 2016 prämiert Angebote und Projekte, die sich dem digitalen Lernen von Erwachsenen widmen, um deren Teilhabe an der Gesellschaft zu stärken. Einen besonderen Fokus legt das DIE dabei auf Bildungsangebote, die sich darum bemühen, marginalisierte Zielgruppen, insbesondere Flüchtlinge, zu erreichen.

Der Preis richtet sich an Anbieter:innen und Träger:innen von Angeboten und Projekten aus anerkannten Bildungseinrichtungen der Erwachsenenbildung und bildungsnahen Einrichtungen, Initiativen und Betrieben mit Angeboten non-formaler Bildung für Erwachsene (ab 18 Jahren).

Insbesondere von Interesse sind Angebote und Projekte für marginalisierte Zielgruppen oder solche, die durch ihre mediendidaktische Gestaltung und/oder medientechnologische Umsetzung im besonderen Maße heterogene Zielgruppen ansprechen.

Die Stärkung der Integration und Teilhabe ist seit jeher ein Grundanliegen der Erwachsenenbildung. Dabei stehen insbesondere benachteiligte und unterrepräsentierte Zielgruppen im Fokus.

Mit der Verbreitung des Internets und vielfältigen digitalen Informations- und Lernangeboten haben sich in den letzten Jahren neue Möglichkeiten der Partizipation ergeben. Diese Chancen gilt es insbesondere für marginalisierte Zielgruppen zu nutzen. Zudem stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie digitale Medien bei der aktuellen Herausforderung der Integration von Flüchtlingen unterstützen können.

Das DIE greift diese Frage mit dem diesjährigen Innovationspreis auf und prämiert Projekte, die in herausragender Weise die Chancen der Digitalisierung für die Herausforderung von Integration und Teilhabe genutzt haben.

Die große Resonanz auf die Ausschreibung und die vielfältigen Projekte, die uns aus dem deutschsprachigen In- und Ausland erreicht haben, zeugen von der hohen Innovationsfähigkeit der Erwachsenenbildung. Dabei ist insbesondere das persönliche Engagement zu betonen, mit dem viele Projekte sich den Herausforderungen der Integration stellen. Uns erreichte eine Vielzahl spannender Einreichungen, die sich beispielsweise mit der Grundbildung/Alphabetisierung, der Medienbildung und dem Spracherwerb auseinandersetzen.

Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger orientierte sich vor allem daran, wie es gelungen ist, auf innovative Art und Weise die Möglichkeiten digitaler Medien zur gesellschaftlichen Teilhabe und Integration einzusetzen sowie marginalisierte Zielgruppen zu erreichen.

Die Auswahl erfolgte mit Unterstützung einer siebenköpfigen Fachjury, bestehend aus Expertinnen und Experten für Medienpädagogik, Erwachsenenbildung, berufliche Bildung sowie Integration, bei denen wir uns an dieser Stelle recht herzlich bedanken möchten.

Neben den Preisträgerinnen und Preisträgern haben wir auch weitere Projekte zum diesjährigen DIE-Forum eingeladen, um ihre Lösungsansätze vorzustellen und über ihre Erfahrungen zu berichten.

Wir möchten uns bei allen Projekten, die sich am diesjährigen Wettbewerb beteiligt haben, bedanken und wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg.

Carmen Biel, Jun.-Prof. Matthias Rohs, Dr. Tim Scholz
(Konzeptionsteam des Preises für Innovation in der Erwachsenenbildung 2016)

Preisträger 2016

eVideo – Gastgewerbe

Ein interaktives Lerninstrument zur arbeitsplatzbezogenen Verbesserung von Grundkompetenzen

In Deutschland gibt es mehr als 7,5 Millionen Menschen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Mehr als die Hälfte von ihnen ist erwerbstätig. Um nicht aufzufallen, entwickeln sie Vermeidungsstrategien.

Sie umgehen Aufgaben, bei denen Lesen, Schreiben oder auch Rechnen eine zentrale Rolle spielen. Oder sie machen Fehler: Im serviceorientierten Gastgewerbe zum Beispiel führt eine falsche Notiz oder ein fehlerhafter Eintrag ins Buchungssystem schnell zu Ärger. Und in Zeiten von Bewertungsportalen im Internet zählt ausgezeichnete Qualität umso mehr. Defizite in den Grundkompetenzen wie Lesen und Schreiben verursachen Kosten im Unternehmen und erhöhen Arbeitsplatzrisiken für die betroffenen Beschäftigten.

Dennoch gehören Menschen mit Lese-, Schreib- und Rechenschwierigkeiten in der Regel nicht zur Zielgruppe von betrieblicher Weiterbildung. Sie fordern diese auch nicht ein. Oftmals sind die Angebote für sie ungeeignet. Hinzu kommt, dass Arbeitsorganisation und Arbeitsalltag die Integration von Lernangeboten fast unmöglich machen. Das Angebot eVideo – Gastgewerbe schließt hier eine Lücke: Lernort und -zeit können flexibel bestimmt werden. Die Motivation wird durch eine packende Story aufrechterhalten. 17 arbeitsplatznahe Übungen stellen einen konkreten Bezug zum Arbeitsalltag her. Durch zusätzliche Offline-Materialien lassen sich integrative Qualifizierungskonzepte entwickeln, die den Lernansprüchen der Zielgruppe gerecht werden.

Ziel von eVideo – Gastgewerbe ist die Verbesserung der Lese-, Schreib-, Rechen- und Medienkompetenzen zur Beschäftigungssicherung und für den beruflichen Aufstieg. Das Instrument basiert auf einem breiten Verständnis von Grundbildung. Die Lernenden sollen in der Realität ähnliche Muster und Situationen wiedererkennen und sich Schwierigkeiten im Umgang mit Schriftsprache und Rechnen bewusst sein. Das Angebot richtet sich an Erwerbstätige der Branche, aber auch an Auszubildende, Ausbildungsinteressierte und Zugewanderte.

lernen-mit-evideo.de

ARBEIT UND LEBEN – DGB/VHS
Landesarbeitsgemeinschaft Berlin e.V.

Michael Lüdtke
E-Mail: luedtke(at)berlin.arbeitundleben(dot)de

Björn Schulz
E-Mail: schulz(at)kes-verbund(dot)de

DaFür

Deutsch als Fremdsprache zur Integration – eine App

„DaFür – Deutsch als Fremdsprache für Integrationen“ ist ein kostenloses Lernportal, das grundlegende Deutschkenntnisse zur Bewältigung von Alltagssituationen vermittelt. Zielgruppe des Projektes sind jugendliche und erwachsene Geflüchtete und andere Menschen, die sich in die deutsche Gesellschaft integrieren wollen. Als offene Plattform kann DaFür zur sprachlichen Integration in unterschiedliche Berufe und Lebensbereiche eingesetzt werden.

DaFür ist ein Kooperationsprojekt zwischen der EUROKEY Software GmbH, der htw saar und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlandes.

Das Portal besteht aus Online-Modulen und verschiedenen Apps. Alle Module behandeln Alltagssituationen zum Leben in Deutschland wie Wohnen, Einkaufen oder Mülltrennung. Die inhaltliche Aufbereitung der Themen erfolgt anhand von kurzen Film-Clips, die den tatsächlichen Alltag der Lernenden widerspiegeln. Basierend auf diesen authentischen Videos wird der benötigte Wortschatz vermittelt und durch Übungen vertieft.

Ergänzend zu den Online-Modulen werden verschiedene Apps angeboten. Die DaFür Wortschatztrainer vermitteln, unterstützt von Audio- und Bildmaterial, themenbezogen
deutschen Grundwortschatz. Die Apps sind für Selbstlerner konzipiert, die durch vielfältige Rückmeldungen in ihrer Muttersprache unterstützt werden. Die Apps sind offline nutzbar, so dass auch gelernt werden kann, wenn keine Internetverbindung zur Verfügung steht.

Neben dem Online-Angebot und Apps unterstützen zahlreiche Zusatzmaterialien (u. A. Kopiervorlagen) den Einsatz von DaFür im Unterricht. Alle Lernmaterialien sind so konzipiert,
dass sie von Lernenden und Lehrkräften unabhängig von einem Kurs oder Lehrwerk genutzt werden können und zum Selbststudium geeignet sind. Dadurch richtet sich DaFür auch an die Menschen, die aufgrund Ihres Asylstatus (noch) keinen Anspruch auf den Besuch eines offiziellen Sprach- oder Integrationskurses haben.

Acht Grundlagenmodule wurden bereits erstellt – zum Jahresende wird das letzte Grundlagenmodul „Demokratie“ veröffentlicht. Alle behandeln typische Alltagssituationen,
mit denen ein Zuwanderer in Deutschland konfrontiert ist und vermitteln neben Wortschatz und Grammatik auch kulturelles Wissen.

Der Schwerpunkt der aktuellen und zukünftigen Arbeit im DaFür-Projekt stellt die Entwicklung
von Modulen dar, die

  • die sprachliche Integration in das Berufsleben unterstützen,
  • berufsspezifisches Wissen und die jeweilige Fachsprache vermitteln,
  • Hintergrundinformationen zum Arbeiten in Deutschland liefern,
  • über die duale Ausbildung sowie die Angebote der Hochschulen informieren.

dafür.saarland

EUROKEY Software GmbH

Ludwig Kuhn
E-Mail: l.kuhn(at)eurokey(dot)de

integration.oncampus.de & DEU4ARAB-MOOC

Online-Plattform und MOOC für Geflüchtete

Die Plattform integration.oncampus.de, initiiert von der FH Lübeck und ihrer Tochter oncampus, und der offene Online-Kurs #DEU4ARAB von Prof. Dr. Jürgen Handke, Universität Marburg, gehören zu den ersten Aktivitäten deutscher Hochschulen für Flüchtlinge. Beide Angebote sind unbürokratisch per Selbstregistrierung zugänglich, hundert Prozent online und tragen der zunehmenden Digitalisierung der globalen Gesellschaft Rechnung. Sie setzen konsequent auf die Bedürfnisse der Geflüchteten und entwickeln sich als agiles System kontinuierlich weiter.

Das Projekt integration.oncampus.de erleichtert als Online-Plattform den Bildungszugang für die Zielgruppe der Geflüchteten, insbesondere zu anrechenbaren, creditfähigen Hochschulkursen, und fördert die berufliche Integration der nach Deutschland kommenden Menschen. Die digitale Lernplattform bietet durch ihre einfache Skalierbarkeit und Anpassung auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eine ideale Möglichkeit, einen schnellen, flexiblen und einfach ausbaubaren Zugang zum deutschen Hochschulsystem zu schaffen. Das Portal beinhaltet Online-Kurse aus bestehenden Online-Fachhochschulstudiengängen des Hochschulverbundes Virtuelle Fachhochschule (www.vfh.de) und zusätzliche Online-Weiterbildungsangebote in diversen Formaten und von verschiedenen Kooperationspartnerinnen und -partnern.

Die Kurse umfassen verschiedenste Fachdisziplinen sowie Angebote zum Erwerb der deutschen Sprache wie den Massive Open Online Course “Aussprachetraining für arabische
(syrische) Deutschlerner“. Der MOOC #DEU4ARAB ist ein offener, hochskalierbarer Online-Kurs, der den ankommenden Asylbewerbern eine kostenlose und geräteunabhängige
Sprachausbildung ermöglicht. Besonderes Merkmal ist die Konzeption als kontrastives Sprachtraining, bei dem auf der Basis einer einzigen Muttersprache (Arabisch) die speziellen
Anforderungen für das Deutschlernen ermittelt und angewendet werden. Zur Verwirklichung des Projekts wurden fast 50 Lehrvideos in arabischer Sprache mit deutschen Untertiteln
produziert, die sich Phonem für Phonem die deutsche Sprache unter Vergleich mit dem syrisch-arabischen Lautsystem vornehmen.

oncampus.de

Prof. Dr. Jürgen Handke, Universität Marburg
E-Mail: handke(at)staff.uni-marburg(dot)de

Linda Wulff, M.Sc., Fachhochschule Lübeck, Institute for Digital Learning (ILD)
E-Mail: linda.wulff(at)fh-luebeck(dot)de