B Bildungsplanung in Bildungsinstitutionen

Die Beiträge des Buchteils B widmen sich jeweils spezifischen Bereichen der Bildungsplanung – abgesehen vom ersten Beitrag, der sehr allgemein in das Vorgehen bei der Entwicklung und Überarbeitung von Bildungsplänen einführt.

Dabei werden eine Vielzahl von Verfahren und Vorgehensweisen vorgestellt und erläutert, mit dem Ziel, diese in eine Ordnung zu bringen, sie damit zugänglich zu machen, und die jeweiligen Grundlagen zu erläutern. Es kann hingegen nicht das Ziel eines Bildungsplanung in seiner Breite thematisierenden Handbuchs sein, einzelne Verfahren in der Tiefe darzustellen, die notwendig wäre, um diese ohne weitere Kenntnisse praktisch nachzuvollziehen.

Ziel der Beitragssammlung in diesem Buchteil ist vielmehr, die Vielfalt aufzuzeigen, die sich durch unterschiedliche Perspektiven auf die zentralen Problemstellungen der Bildungsplanung ergibt.

Diese zentralen Problemstellungen tauchen als thematische Spur in den Beiträgen immer wieder auf, etwa: Wie lassen sich Entscheidungen zu Bildungszielen und Lerninhalten legitimieren? Durch eine Orientierung an der fachwissenschaftlichen Ordnung? Oder durch eine empirische Erhebung im Anwendungsfeld? Welche Rolle kommt der Partizipation, also der Beteiligung von betroffenen Personen, in Bildungsprozessen zu?

Auszug aus dem Vorwort zum Buchteil B

B2Ordnungsarbeit: Akteure und Prozesse

Johannes Koch

Die berufliche Bildung in Deutschland wird entscheidend geprägt durch das duale System, der Ausbildung in Betrieben und Berufsschulen. Dual sind nicht nur die beiden Lernorte, sondern auch die Rechtssysteme dafür, das (Bundes-)Berufsbildungsgesetz (BBiG) für den betrieblichen, die Gesetze der 16 Bundesländer für den schulischen Teil.

Verbunden werden die beiden weitgehend voneinander unabhängigen Teilsysteme durch die Integration von Vertreter:innen des schulischen Systems in die Selbstverwaltung der Wirtschaft für die betriebliche Ausbildung. Die wichtigsten Institutionen der Selbstverwaltung sind Kammern als Körperschaften öffentlichen Rechts. Sie bilden für die Ordnungsarbeit in der beruflichen Bildung Ausschüsse, in denen Vertreter.innen von Arbeitgeber:innen, Arbeitnehmer:innen und Berufsschulen drittelparitätisch zusammenwirken.

Oberstes Organ der Selbstverwaltung für die duale Ausbildung ist der Hauptausschuss angesiedelt beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Dieser Ausschuss ist viertelparitätisch mit Vertretern von Bund und Ländern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Gewerkschaften) besetzt. Der Hauptausschuss beschließt Empfehlungen zur Durchführung der beruflichen Bildung (nach dem BBiG). Ausbildungsordnungen werden durch Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vom BIBB koordiniert gemeinsam erarbeitet und ebenfalls vom Hauptausschuss dem für den Bereich der Wirtschaft zuständigen Ministerium (zumeist Wirtschaftsressort) zum Erlass empfohlen.

Eine besondere Bedeutung haben Ausbildungsordnungen für das Handwerk: Hier legen sie nicht nur zu vermittelnde Inhalte fest, sondern die Inhalte grenzen auch die einzelnen Gewerke voneinander ab. Sie haben damit für das Handwerk eine konstituierende Funktion.

Wichtigste Akteure in der dualen Berufsausbildung sind die Ausbildungsbetriebe. Als Lernorte unterscheiden sie sich grundsätzlich von Schulen und Hochschulen. Lernen erfolgt hier überwiegend funktional an betrieblichen Arbeitsaufgaben.

Schlagworte

Ausbildungsordnung · Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) · Duales System der Berufsausbildung · Ordnungsarbeit · Selbstverwaltung

Zitationsvorschlag

Koch, Johannes (2015): Ordnungsarbeit: Akteure und Prozesse. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 309-340.

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B3Inhalte gewerblich-technischer Bildung

Michael Köck

Ausbildung, Training und beruflicher Unterricht zielen darauf ab, spezifische Inhalte in den Erkenntnis- und Erlebnishorizont einer bestimmten Zielgruppe zu bringen, damit diese beruflichen Anforderungen kompetent begegnen kann. Auch wenn die Kompetenzorientierung den Fokus derzeit eher auf die Ergebnisse von Bildungsprozessen lenkt, zählen Entscheidungen in Bezug auf Lern- oder Ausbildungsinhalte zu den wichtigsten und folgenreichsten im didaktischen Geschehen.

Der nachfolgende Beitrag dient dem Aufbau eines grundlegenden Verständnisses darüber, auf welchen substanziellen Kern sich Inhalte im gewerblich-technischen Bereich zurückführen und wie sie sich ermitteln, legitimieren und konkretisieren lassen.

Damit wird einerseits die Ebene der Konstruktion beruflicher Ordnungsmittel oder schulischer Lehrpläne berührt, andererseits aber auch die Ebene der Anwendung oder Umsetzung dieser Curricula, da selbst ein detailliert vorgegebener stofflicher Bezugsrahmen dem berufsbildenden Personal inhaltliche Entscheidungen abverlangt.

Schlagworte

Arbeitsgestaltung · Berufswissenschaft · Curriculumentwicklung · Handlungsorientierung · Qualifikationsforschung

Zitationsvorschlag

Köck, Michael (2015): Inhalte gewerblich-technischer Bildung. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 341-370.

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B4Ziele und Inhalte ökonomischer Bildung

Günther Seeber

Ökonomische Allgemeinbildung ist seit Jahrzehnten ein in der beruflichen Bildung etablierter Bereich schulischen Lernens. Im allgemeinbildenden Schulwesen hielt sie ab den 1970er Jahren als Teil der Arbeitslehre Einzug. Auch wenn sie seither an Bedeutung gewonnen hat, ist sie bis heute in den meisten Bundesländern noch nicht als eigenes Fach verankert. Neuerdings wird sie auch als Aufgabe der Erwachsenenbildung diskutiert.

Nach einer Einführung in das Thema beginnt der folgende Text mit einer Darstellung von Argumenten für die Aufnahme ökonomischer Bildung über alle Bildungsstufen hinweg. Im Anschluss werden die Ziele und Inhalte beschrieben, wobei verschiedene theoretische Schulen unterschieden werden. Die tatsächliche Verankerung auf den drei Bildungsebenen, die dann exemplarisch an typischen Lehrplänen bzw. Bildungsangeboten erläutert wird, ist im Zusammenhang mit den zuvor vorgestellten Ansätzen zu sehen.

Der Text verfolgt das Ziel, mit den genannten Inhalten alle für bildungsplanerische Aufgaben notwendigen Grundlagen überblicksartig darzustellen. Die didaktischen Überlegungen bei der Planung konkreter Lehr-Lern-Arrangements sind dagegen nicht Teil des vorliegenden Textes. Ebenso wird auf eine detaillierte Diskussion des Kompetenzbegriffs verzichtet und auf entsprechende Beiträge dieses Handbuchs verwiesen.

Schlagworte

Bildungsauftrag · Handlungskompetenz · Kompetenzmodell · Ökonomische Bildung · Wirtschaftsdidaktik

Zitationsvorschlag

Seeber, Günther (2015): Ziele und Inhalte ökonomischer Bildung. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 371-390.

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B5Entwicklungslinien und Perspektiven

Stephan Dettmers

In dem Buchbeitrag geht es um eine grundsätzliche Vorstellung der Systematik unterschiedlicher Qualifikationsrahmen Sozialer Arbeit, Pflege und Physiotherapie, ihrer Dependenzen sowie die daraus abzuleitenden Schlussfolgerungen für die Ausgestaltung der Bildungsprozesse dieser bedeutsamen Berufsgruppen im Sozial- und Gesundheitswesen.

Dazu erfolgt auch die begriffliche Annäherung an Professionalisierungsstrategien, Kompetenzentwicklung und notwendige Rahmenbedingungen in rechtlicher und gesellschaftspolitischer Hinsicht.

Durch die Darstellung der Ansatzpunkte für künftige bessere interdisziplinäre Zusammenarbeit soll deutlich werden, dass einerseits ein jeweilig klares fachliches Profil gebraucht wird und andererseits interdisziplinäre Aspekte künftig deutlicher werden müssen.

Schlagworte

Akademisierung · Biopsychosoziales Modell · Interdispziplinarität · Profession · Qualifikationsrahmen

Zitationsvorschlag

Dettmers, Stephan (2015): Entwicklungslinien und Perspektiven hinsichtlich Ausbildung und Akademisierung sozialer und gesundheitsorientierter Berufe. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 391-416.

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B6Verfahren der Ermittlung des betrieblichen Bildungsbedarfs

Michael Klebl

Im Kontext des einzelnen Betriebs, sei es in einem gewinnorientierten Unternehmen oder in einer an Gemeinnützigkeit ausgerichteten Organisation, ist die Frage nach Zielen und Inhalten von Maßnahmen der beruflichen Bildung die Frage nach einem möglichst eng einzugrenzenden „Bedarf“: Es gilt, die knappen Ressourcen für die betriebliche Bildung (wenn überhaupt) so einzusetzen, dass sie möglichst dienlich im Blick auf Unternehmens- oder Organisationsziele sind.

Daher zählt die Ermittlung des betrieblichen Bildungsbedarfs zu den wichtigsten Aufgaben der Bildungsplanung im Betrieb, und ist damit zentraler Bestandteil der Unternehmensentwicklung. Der vorliegende Beitrag führt in Verfahren und Instrumente der betrieblichen Bildungsbedarfsermittlung ein.

Ziel ist, ausgewählte wesentliche Methoden kennenzulernen. Es gilt zudem, das umfassende Feld der betrieblichen Weiterbildung zu skizzieren und zu gliedern, um Rahmenbedingungen einschätzen zu können.

Im Weiteren geht es darum, Prinzipien der Bildungsbedarfsermittlung zu verstehen, und entsprechende Verfahren und Instrumente nach geeigneten Kriterien zu ordnen und kritisch zu beurteilen.

Schlagworte

Arbeitsgestaltung · Betriebliche Weiterbildung · Bildungsbedarf · Partizipation · Prognose

Zitationsvorschlag

Klebl, Michael (2015): Verfahren der Ermittlung des betrieblichen Bildungsbedarfs. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 417-448.

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B7Produktmanagement und Programmplanung in Bildungseinrichtungen

Ulrich Iberer & Ulrich Müller

Produktmanagement und Programmplanung fokussieren den Kernprozess einer Bildungseinrichtung bzw. -abteilung: das Initiieren und Entwickeln, Gestalten und Steuern von Bildungsangeboten. All das, was die Einrichtung nach innen wie außen auszeichnet, wird im Bildungsprogramm ausgedrückt.

Der Planungsprozess eines solchen Programms erfordert weitaus mehr als das Terminieren von Veranstaltungen oder das Aufstellen eines Stundenplans.

Fach- und Leitungsverantwortliche in Akademien, Bildungszentren, Berufsschulen wie auch in innerbetrieblichen Organisationseinheiten zur Aus- und Weiterbildung sind zweifach herausgefordert: Sie müssen einerseits alle Aktivitäten der Einrichtung auf den angestrebten Kompetenzaufbau bei den Lernenden ausrichten.

Gleichzeitig stehen sie in der Pflicht, auch die mittelfristigen Ziele der Organisation bzw. des Unternehmens zu verfolgen, z. B. im Hinblick auf strategische Entscheidungen oder um die eigene Überlebensfähigkeit sicherzustellen.

Für die Bewältigung dieser doppelten Aufgabenstellung bedarf es also der Verschränkung einer pädagogischen Perspektive mit einer betriebswirtschaftlichen Perspektive.

Schlagworte

Bildungsmarketing · Bildungsorganisation · Bildungsprozessmanagement · Produktmanagement · Programmentwicklung

Zitationsvorschlag

Iberer Ulrich/Müller, Ulrich (2015): Produktmanagement und Programmplanung in Bildungseinrichtungen. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 449-478.

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B8Paradigmenwechsel in der beruflichen Bildung

Mona Massumi

Einschlägige Ergebnisse der Bildungsforschung wie beispielsweise PISA und der Berufsbildungsbericht 2014 belegen, dass bestimmte Personengruppen im Bildungssystem benachteiligt werden, so dass sie schlechtere Chancen haben, sich in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt einzugliedern.

Im Zuge der aktuellen Inklusions- sowie Diversitätsdebatte rücken insbesondere diese benachteiligten Schülerinnen und Schüler stärker in den Fokus. Es bleibt dabei zu überlegen, wie die berufliche Bildung auf verschiedenen Handlungsebenen (re-)agieren kann, um dieser Benachteiligung entgegenzuwirken und nicht erst entstehen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund müssen die unterschiedlichen Lernorte (Betrieb, Schule) für die Diversität ihrer Lernenden durch eine Umstrukturierung und Neuorientierung geöffnet werden.

Schlagworte

Heimlicher Lehrplan · Diskriminierung · Diversität · Inklusion · Normativität

Zitationsvorschlag

Massumi, Mona (2015): Paradigmenwechsel in der beruflichen Bildung – Diversität in der beruflichen Bildung und Programmplanung. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 479-496.

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