A Bildungsplanung in Lehr-/Lernprozessen

Im  Buchteil A geht es um die Formen von Plänen der Bildungsplanung – von Curricula, von Lehr- und Bildungsplänen. Dabei wird erläutert, welche vielfältigen begrifflichen und normativen Unterscheidungen den jeweiligen Orientierungs- und Ordnungsmerkmalen zugrunde liegen.

Die erste Begegnung mit bildungsplanerischen Überlegungen findet in den meisten Fällen auf der unterrichtlichen Ebene statt. Lehrkräfte überlegen sich, wie sie die curricularen Vorgaben am besten in erfolgreiche Lernarrangements umsetzen. Dazu ist es wahrscheinlich notwendig und sinnvoll, die Begriffe, Modelle und Theorien zu kennen, die den genannten Formen der Ziel- und Inhaltsbestimmung zugrunde liegen.

Die Kenntnisse der zum Teil verborgenen Zusammenhänge zwischen Bildungsidealen auf der einen Seite und den konkreten Angaben zu Zielen und Inhalten in den Bildungsplänen und Prüfungsordnungen auf der anderen Seite ermöglicht es den Lehrkräften zudem – unter Umständen gemeinsam mit den Adressatinnen und Adressaten –, die Auffassung davon zu kritisieren, was Lernen eigentlich ist und wem es dienen soll. Nicht zuletzt ist ein vertieftes und differenziertes Verständnis der Bestimmung und Beschreibung von Bildungszielen und Lerninhalten vorteilhaft, wenn Lehrkräfte vor die Aufgabe gestellt sind, selbst Bildungsplanung zu machen, beispielsweise in der Ausarbeitung von Ausbildungs-, Prüfungs- oder Studienordnungen, oder für ihren eigenen Unterricht.

Auszug aus dem Vorwort zum Buchteil A

A1Lernziele als Leitlinien für den Unterricht

Lukas Lutz & Silvester Popescu-Willigmann

Ziel dieses Beitrags ist es, den Lernzielbegriff in seiner maßgeblichen Bedeutung für die Unterrichtsgestaltung herauszuarbeiten, Anregungen zur Konzeption des lernzielorientierten Unterrichts zu geben und etablierte Klassifikationsschemata für Lernziele als Hilfsmittel der praktischen Unterrichtsplanung vorzustellen. Hierzu befasst sich der Beitrag mit den Grundlagen der Lernzielorientierung.

Nach der Definition und Abgrenzung des Begriffs ‚Lernziel‘ werden wesentliche Bestimmungen, Vorteile und Funktionen lernzielorientierter Unterrichtsplanung mit dem Ergebnis erläutert, dass das Lernziel die fundamentale Kategorie der Unterrichtsplanung darstellt und die Orientierung an diesem für einen gelingenden, transparenten und auf die Lernenden bezogenen Unterricht unverzichtbar ist.

Ebenso findet eine Auseinandersetzung mit den Grenzen und der Kritik an einer lernzielbezogenen Unterrichtsplanung statt. Darauf folgt die Darstellung verschiedener Klassifikationssysteme von Lernzielen, die als Hilfsmittel zur Gestaltung eines ganzheitlichen und unterschiedliche Lerndimensionen und -niveaus berücksichtigenden Unterrichts dienen.

Schlagworte

Lernziel · Lehrplan · Verhaltensänderung · Taxonomie · Operationalisierung

Zitationsvorschlag

Lutz, Lukas/Popescu-Willigmann, Silvester (2015): Lernziele als Leitlinien für den Unterricht. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 23-46.

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A2Instrumente und Methoden der Unterrichtsplanung

Lukas Lutz & Silvester Popescu-Willigmann

Dieser Beitrag erörtert die Planung gelingenden (beruflichen) Unterrichts im Kontext von sie determinierenden Faktoren. Leserinnen und Lesern will der Beitrag hierin Orientierung bieten sowie Hilfsmittel und Vorgehensweisen für die konkrete Unterrichtsplanung zur Verfügung stellen.

Nach der Definition und Abgrenzung des Begriffs ‚Unterrichtsplanung‘ werden diejenigen Bestimmungsgrößen des Bildungssystems und der jeweiligen Bildungseinrichtung analysiert, die einen entscheidenden Einfluss auf die Planung des konkreten Unterrichtsgeschehens besitzen.

Davon ausgehend werden grundlegende und den Rahmenbedingungen der Makroebene entsprechende Eigenschaften handlungsorientierten beruflichen Unterrichts sowie dessen Planung auf der Mesoebene herausgearbeitet. Im Anschluss daran wird die Planung einzelner Unterrichtsstunden betrachtet, um die Dependenz der Unterrichtsplanung von den sie determinierenden Faktoren aufzuweisen.

Schlagworte

Berufliche Handlungsfähigkeit · Bildungsstandard · Kompetenz · Rahmenlehrplan · Unterrichtsplanung

Zitationsvorschlag

Lutz, Lukas/Popescu-Willigmann, Silvester (2015): Instrumente und Methoden der Unterrichtsplanung. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 47-74.

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A3Kompetenz: Modellierung und Diagnose

Julia Krämer & Christina Müller-Naevecke

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Möglichkeiten und Herausforderungen der Modellierung und Diagnose von Kompetenzen im Berufsbildungswesen. Dabei steht die Fra­ge im Vordergrund, wie sich das geforderte Paradigma der Kompetenzorientierung als Leitbegriff und Zielgröße im Bildungsbereich in konkretes Handeln überführen lassen kann.

Es werden drei Ebenen betrachtet: die systemische, bildungspolitische Steuerungsebene, die institutionelle Ebene mit Möglichkeiten der curricularen Verankerung und die Ebene unterrichtlicher Gestaltungsprozesse, wobei hier nicht nur auf die Kompetenzentwicklung der Lernenden Bezug genommen wird, sondern auch die Lehrenden und deren diagnostische Kompetenz in den Blick genommen werden.

Insgesamt wird der Kompetenzbegriff innerhalb dieses Beitrags aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und verschiedene Kompetenzmodelle im beruflichen Bereich differenziert. Hierbei wird die Schwierigkeit der curricularen Verankerung der geforderten Outputsteuerung für den Bereich der beruflichen Bildung deutlich. Beispiele der Kompetenzmessung im beruflichen Bereich werden vorgestellt.

Schlagworte

Pädagogische Diagnostik · Kompetenzmodell · Operationalisierung · Profilpass · Output-Steuerung

Zitationsvorschlag

Krämer, Julia/Müller-Naevecke, Christina (2015): Kompetenz: Modellierung und Diagnose. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 75-98.

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A4Lernergebnisorientierung im DQR und EQR

Lena Daberkow & Silvester Popescu-Willigmann

Im Zusammenhang mit der europäischen Wirtschafts- und Bildungspolitik, mit zunehmender internationaler Mobilität und allenthalben feststellbaren Fachkräfteengpässen sind ein Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) und ein Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR) entstanden, die zur besseren länderübergreifenden Vergleichbarkeit von Qualifikationen, zu erleichterter Mobilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und zu mehr Transparenz und höherer Durchlässigkeit in den Bildungssystemen beitragen sollen.

Ihre Implementierung verändert die Bildungslandschaft in Deutschland nachhaltig und wirkt sich bis auf die Ebene beruflichen Lehrens aus: Lernergebnisse (Outputs und Outcomes) werden zu zentralen Kategorien individueller Qualifikation, und somit zu einer wesentlichen Zielgröße jeglichen beruflichen Lehr-/Lernarrangements. Sie lösen die Inhalte, Zeit und Lernort (Input) als primäre Zielkategorie ab.

Dieser Beitrag hat zum Ziel, ein für die Praxis beruflichen Lehrens und Unterweisens anschlussfähiges Verständnis für den Europäischen und den Deutschen Qualifikationsrahmen zu schaffen.

Hierfür werden Entstehung, Aufbau und Funktionsweise der beiden Qualifikationsrahmen sowie ihr Verhältnis zueinander beschrieben, und anhand von zahlreichen Anwendungsbeispielen verdeutlicht. Dabei erhält der Deutsche Qualifikationsrahmen als unmittelbar in deutschen (Berufs-)Bildungskontexten gültiger Rahmen mehr Raum zugunsten einer ausführlicheren Darstellung.

Schlagworte

Deskriptoren · Gleichwertigkeit · Qualifikationsrahmen · Durchlässigkeit · Outcome-Steuerung

Zitationsvorschlag

Daberkow, Lena/Popescu-Willigmann, Silvester (2015): Lernergebnisorientierung im Deutschen und im Europäischen Qualifikationsrahmen. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 99-150.

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A5Defizit oder Ressource? Bildungsziele und Bildungsstandards

Sebastian Barsch

Diversität bzw. Vielfalt wird im schulischen Kontext oftmals auf Basis von Begriffen wie „Herausforderungen“, „Probleme“ oder „Belastungen“ betrachtet.

Zunehmend dominieren auch Ressourcenfragen die Diskussion über die Umgestaltung schulischer Praxis in Hinblick auf inklusive Anforderungen. In zahlreichen Unternehmen jedoch wird Vielfalt positiv bewertet. So ist das Konzept „Diversity Management“ etwa mittlerweile ein oft genutzter Ansatz, um „homogene“ Personalstrukturen zu durchbrechen und der Verschiedenheit der Beschäftigten inklusive ihrer verschiedenen Fähigkeiten und Fertig­keiten positiv zu begegnen. Dieser Ansatz bzw. diese Sichtweise findet in der beruflichen Bildung bislang kaum Beachtung.

Der Beitrag geht der Frage nach, wie gesellschaftliche Forderungen nach Standards und verbindlichen Zielen von Bildungsprozessen mit der gleichzeitigen Forderung nach einer stärkeren Orientierung an Vielfalt in Einklang gebracht werden kann.

Ziel ist dabei nicht, eine allgemeingültige Antwort zu geben, ob Vielfalt unter der Perspektive von Inklusion als Chance oder Risiko betrachtet werden soll und kann. Vielmehr sollen die hier vorgestellten Ansätze des Umgangs mit Vielfalt anregen, um über Herausforderungen von Inklusion, Bildungsstandards und beruflicher Bildung zu reflektieren und Lösungsszenarien entwickeln zu können.

Schlagworte

Förderdiagnostik · Behinderung · Bildungsstandard · Inklusion · Stigmatisierung

Zitationsvorschlag

Barsch, Sebastian (2015): Defizit oder Ressource? Ein inklusiver Blick auf Bildungsziele und Bildungsstandards. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 151-170.

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A6Diversität der Lernenden in der beruflichen Bildung

Mona Massumi

Individuelle Förderung gilt als grundlegendes pädagogisches Prinzip. Um diesem Anspruch in Bildungsinstitutionen gerecht zu werden, ist es erforderlich, die Diversität der Schülerinnen und Schüler auf allen schulischen Handlungsebenen in den Blick zu nehmen.

Das übergreifende Ziel muss dabei sein, jedem Lernenden gleiche (Aus-)Bildungschancen zu bieten und Bildungsangebote auf die Diversität der entsprechenden Adressat:innen abzustimmen, so dass insbesondere die bestehende Benachteiligung und Diskriminierung von marginalisierten Gruppen in der (schulischen sowie) beruflichen Bildung und am Arbeitsmarkt aufgebrochen wird.

In diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, zunächst die Entwicklung des Homogenitätsanspruchs im deutschen Schulwesen darzustellen, um in einem zweiten Schritt die Kerngedanken des Konzepts der schulischen Heterogenität und in einem dritten Schritt das Paradigma von Diversität im deutschen Schulwesen zu veranschaulichen. Zu diesem Zweck werden viertens die verschiedenen Dimensionen der Diversität differenziert aufgezeigt, um auf dieser Ausgangslage Konsequenzen für die berufliche Bildung zu ziehen.

Diese Grundlagen sollen Anstöße für eine diversitätsbewusste Organisations-, Struktur- sowie Unterrichtsplanung geben, um dem eingangs formulierten Anspruch der individuellen Förderung unter Berücksichtigung der Diversität der Lernenden gerecht zu werden.

Schlagworte

Diskriminierung · Diversität · Inklusion · Normativität · Soziale Ungleichheit

Zitationsvorschlag

Massumi, Mona (2015): Diversität der Lernenden in der beruflichen Bildung. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 171-194.

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A7Didaktische Modelle

Michael Klebl

Die Beschäftigung mit Zielen und Inhalten im Rahmen von Lehr-/Lernprozessen ist eingebettet in grundlegende und umfassende Vorstellungen darüber, was in Situationen des Lehrens und des Lernens passiert, und wie entsprechende Situationen geplant, durchgeführt und bewertet werden können.

Die systematische Reflexion über Situationen, die Lernen an Lehren koppeln, ist ein zentraler Bestandteil der Pädagogik als Wissenschaft. Als wissenschaftliche (Teil-)Disziplin werden Lehre und Forschung in diesem Bereich im deutschsprachigen Raum traditionell als „Didaktik“ bezeichnet.

Ein wichtiger Gegenstand der Didaktik als Wissenschaft sind didaktische Modelle. Diese haben vorrangig zum Ziel, Lehrkräften Begriffe und Theorien an die Hand zu geben, um die komplexen Interaktionen in Lehr-/Lernprozessen begreifbar und damit gestaltbar zu machen.

Der vorliegende Beitrag stellt die wichtigsten didaktischen Modelle aus der Perspektive der Bildungsplanung im Überblick vor.

Schlagworte

Allgemeine Didaktik · Didaktische Analyse · Didaktisches Prinzip · Instruktionsdesign · Strukturmodell

Zitationsvorschlag

Klebl, Michael (2015): Didaktische Modelle. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 195-242.

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A8Lehrplanarchitektoniken und curriculare Trends

Antonius Lipsmeier

Lehrpläne sind wohl allen Menschen in ihren Bildungslaufbahnen in ­unterschiedlichster Weise begegnet, zumeist aber sicherlich nur mehr oder weniger unbewusst in der Ablaufgeschichte des Lernens. Lehrpläne haben aber Strukturen, die meistens nicht erkannt werden, die aber für Lernprozesse (Motivation, Erfolg) sehr bedeutsam sind.

Der folgende Text will diese unterschiedlichen Strukturen herausarbeiten und in ihrer jeweiligen Bedeutsamkeit erkennbar und beurteilbar machen.

Schlagworte

Curriculumtheorie · Exemplarität · Schlüsselqualifikation · Sequenzierung · Strukturierung

Zitationsvorschlag

Lipsmeier, Antonius (2015): Lehrplanarchitektoniken und curriculare Trends. In: Klebl, Michael/Popescu-Willigmann, Silvester (Hg.): Handbuch Bildungsplanung. Ziele und Inhalte beruflicher Bildung auf unterrichtlicher, organisationaler und politischer Ebene. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag, S. 243-270.

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