Verlagsgeschichte
W. Bertelsmann Verlag
Geschichte und Perspektiven
Die ersten 100 Jahre

- Wilhelm Bertelsmann
Wilhelm Bertelsmann zieht 1864 von Barmen, wo er eine Verlagsbuchhandlung betrieben hat, nach Bielefeld. Unter der Firma Gebr. Bertelsmann befindet sich in der Obernstraße 4 die Buch- und Steindruckerei, die Arnold Wilhelm Bertelsmann und sein Bruder Heinrich eingerichtet haben. Die Firma verlegt und druckt in den folgenden Jahren drei Zeitungen: "Allgemeiner Anzeiger, Kreisblatt für die drei Kreise Bielefeld, Halle und Wiedenbrück", „Der Conservative Hausfreund“ und der „Westfälische Hausfreund“. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Wilhelm Bertelsmann. Schon in den ersten Jahren werden verschiedene Formulare für Behörden, Kirchen und Schulen vorrätig gehalten. Die Anzeigen des Verlags geben Hinweise auf diese Formulare.

- Haus Wellenstraße 160/161 (um 1920)
Am 22. April 1870 erwirbt Wilhelm Bertelsmann den Druckerei-Betrieb der Witwe I. D. Küster dazu und vereinigt beide Druckereien unter der neuen Firma I. D. Küster Nachf. im Haus Wellenstraße 160/161. In diesem Betrieb erscheint nun die älteste Bielefelder Zeitung, damals das „Bielefelder Tageblatt“ betitelt, heute die „Neue Westfälische“. Anfang 1880 erwirbt Heinrich Bertelsmann, der ältere Bruder von Wilhelm Bertelsmann, die Firma I. D. Küster Nachf. als alleiniger Inhaber.
Wilhelm Bertelsmann führt seit dem 1. Januar 1880 die nunmehr im Handelsregister eingetragene „Bertelsmann'sche Buchdruckerei W. Bertelsmann“, die sich vorwiegend mit dem Verlag und der Herstellung von Behörden-Formularen befasst. Schon zu dieser Zeit ist die strukturelle Gliederung des Unternehmens in Verlag, Druckerei und Verlagsauslieferung erkennbar.

- Friedrich Carl Bertelsmann
Der Betrieb wird bald darauf nach Gadderbaum, damals noch selbstständige Gemeinde, in gemietete Räume verlegt. Ab 1890 wird die Firma als „W. Bertelsmann“ in eigenen Räumen in der Gütersloher Straße 21/23 (heute Gadderbaumer Straße) fortgeführt. Diese Gebäude werden nach mehrfacher Erweiterung bis 1982 genutzt. 1894 treten die Söhne Friedrich Carl und Friedrich Ludwig als Prokuristen ein, die die Firma ab November 1903 als alleinige Teilhaber führen. Nach dem Tod von Friedrich Ludwig Bertelsmann erhält die Firma von Friedrich Carl Bertelsmann 1905 ihren heutigen Namen „W. Bertelsmann Verlag".
Als Friedrich Carl Bertelsmann im Januar 1928 verstirbt, tritt sein Sohn Wilhelm Ernst als geschäftsführender Gesellschafter an seine Stelle. Das Unternehmen widmet sich weiterhin seiner Aufgabe als Formularverlag über das gesamte Reichsgebiet und verlegt außerdem eine Anzahl von Werken der Schul- und Verwaltungsliteratur. Der zweite Weltkrieg hat auf die Verlagsarbeit zunächst wenig Einfluss, weil die Aufgabe als Behördenverlag im Reichsgebiet erhalten bleibt. Jedoch kommt die Produktion und Auslieferung durch starke Zerstörungen in den Jahren 1944/45 fast vollständig zum Erliegen. Von 106 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verbleiben noch 39.
Anfang April 1945 ziehen die Alliierten in Bielefeld ein. Damit erliegt das betriebliche Wirken, zumal am 7. Juli 1945 alle Bielefelder Druckereien durch die Militärregierung stillgelegt werden, die ein allgemeines Druckverbot erlässt. 17 Beschäftigte müssen an eine alliierte Druckerei abgegeben werden.

- W. Ernst Bertelsmann
W. Ernst Bertelsmann erhält am 21. September 1945 die vorläufige Betriebserlaubnis. Eingeschränkt durch Papierbewirtschaftung und nur allmähliche Reparaturen der beschädigten Maschinen werden nun wieder Behördenformulare hergestellt. Mit der Währungsreform 1948 endet die Papierbewirtschaftung und der Wiederaufbau des Unternehmens beginnt. Die starke Einengung des Vertriebsgebietes macht die Ausweitung des Verlagsprogramms auf andere Bereiche notwendig. W. Ernst Bertelsmann engagiert sich ehrenamtlich im Bereich der Berufsausbildung und bekommt dadurch neue Impulse.
Im Juni 1949 wird mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag ein Vertrag über Druck und Verlag der Ordnungsmittel für industrielle Berufsausbildung geschlossen. Im gleichen Monat erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift „Wirtschaft und Berufserziehung“, die ab Mai 1951 durch die Zeitschrift „Der
Ausbilder“ ergänzt wird. Die Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg – später Bundesanstalt für Arbeit - überträgt im Oktober 1954 der Firma die Produktion der „Blätter zur Berufskunde“. Dieses Sammelwerk wird in den folgenden Jahrzehnten auf mehr als 700 Titel in fünf Reihen aufgebaut. Die „Blätter zur Berufskunde“ boten bis zum Jahr 2003 die umfangreichste öffentliche Information über alle Berufe und Studiengänge in Deutschland.


